Gelber Fingerhut
Der Gelbe Fingerhut (Gelber Fingerhut) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae).
Der Gelbe Fingerhut ist eine zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 30 und 80 Zentimetern. Der aufrechte, unverzweigte Stängel ist schwach rinnig und kahl, die wechselständig angeordneten, schmal- bis eiförmig-lanzettlichen Blätter sind einfach, am Rand fein gewimpert, sonst kahl und unregelmäßig gesägt. Eine bodenständige Rosette zur Blütezeit wie bei anderen Fingerhüten fehlt. Der Blütenstand ist eine einseitswendige Traube aus vielen, dicht stehenden schwefelgelben, engröhrigen, zeichnungslosen Blüten, die 9 bis 25 mm lang und innen behaart sind. Die Blüten sind kleiner und schmaler als die des Großblütigen Fingerhuts, dessen Blüten 28 bis 40 mm lang, ockergelb und innen gezeichnet sind. Die Krone setzt sich aus fünf verwachsenen Kronblättern zusammen. Es gibt vier Staubblätter, der Fruchtknoten ist oberständig, die Frucht eine Kapsel. Den Blättern fehlen die Nebenblätter.
Die Pflanze ist von Westeuropa bis Süditalien und Nordwestafrika verbreitet. Sie wächst bevorzugt auf trockenen, kalkhaltigen, steinigen und warmen Böden an hellem Standort wie Lichtungen oder die Ränder von Waldwegen. Sie ist Kennart der Assoziation Atropo-Digitalietum luteae Oberd. 1957 (n.inv.) und gilt als ungefährdet, wird aber in Deutschland von der Bundesartenschutzverordnung „besonders geschützt“.
Der Gelbe Fingerhut als Arzneipflanze. Wie alle Fingerhüte enthält auch der Gelbe Fingerhut herzwirksame Gykoside. Vor allem Lantanosid A, Acetyldigitoxin und Digitoxin. Diese Inhaltstoffe sind sehr stark wirksam und besitzen eine enge therapeutische Breite. Zudem enthält er noch Steroidsaponine und Anthrachinonderivate (z.B. Digitolutein).
Er wird aber kaum für die Gewinnung von herzwirksamen Glykosiden genutzt. Dazu wird eher der Rote Fingerhut, vor allem aber der Wollige Fingerhut angebaut. Das Haupteinsatzgebiet von herzwirksamen Glykosiden ist die Herzinsuffizienz. Digitalisglykoside hemmen selektiv die Na/K-ATPase und erhöhen so indirekt die Ca-Ionen-Konzentration in den Zellen des Herzmuskels. Dabei steigern sie die Kontraktionskraft des Herzmuskels (insbesondere des kranken Muskels), was als positiv inotrope Wirkung bezeichnet wird. Sie verlangsamen die Schlagfrequenz (negativ chronotrope Wirkung). Zudem verzögern sie die Erregungsleitung. Bei normaler Dosierung wirken die herzwirksamen Glykoside nur am Herzen. In der Folge schlägt das ursprünglich schwache Herz (Herzinsuffizienz) wieder langsamer und kräftiger.